Thumbnail_Dialektum_v5

Semesterprojekt Winter 2017

Dialektum

Wohin könnte sich die Welt in den nächsten Jahrzehnten entwickeln? Das Dialektum ist ein fiktives Zukunftsszenario, in welchem die Menschen die Fesseln der technischen Hilfsmittel lösen und sich zurück auf sich besinnen. Anregungen dazu fanden wir im Zehn-Prozent-Mythos oder dem Gedächtnispalast, einer Lernmethode aus dem alten Griechenland. Das Projekt ist zusammen mit Lea Michels entstanden.

In diesem Szenario steht die eigene Fantasie und das Vorstellungsvermögen im Vordergrund. Um diese möglichst wenige zu beeinflussen, nimmt sich die visuelle Gestaltung bewusst zurück und konzentriert sich auf eine klare und strukturierte Informationsdarstellung und auditive Unterstützung in Form von 3 Hörgeschichten.

Line_08
Fullscreencover_Dialektum_v4

Dialektum
Epoche der kognitiven Begegnung

Je nach Herkunft oder Abstammung eines Menschen bekommt seine Sprache eine besondere Klangfarbe – einen Dialekt. Auch der Umgang mit Gedanken, Emotionen und Erinnerungen prägen den Charakter eines Menschen. Dialektum steht für eine Zeitepoche, in welcher diese individuellen Prägungen eine Form bekommen.

"Der Mensch hat seine Fähigkeit zur Unabhängig verlernt. Zu groß war der Fokus auf technische Hilfsmittel und digitale Assistenten. Was Aufgaben abnehmen und mehr Zeit und Freiheit für unser Leben schaffen sollte, hat uns in Wahrheit Fesseln angelegt. Durch Jahrzehnte lange Gewöhnung an Devices jeglicher Art ist die Selbstständigkeit auf der Strecke geblieben. 

Um unsere Fähigkeiten wiederzuerlangen und selbständig agieren zu können, besinnt sich der Mensch nun auf sich selbst und gewinnt seine Freiheit mehr denn je zurück..."

Projektplakat

Dialektum_Plakat

Hörgeschichten

Mit unseren Hörgeschichten geben wir unseren drei Personas Philian, Manilo und Emna eine Stimme und lassen sie von bestimmten Erlebnissen und Begegnungen im Dialektum erzählen. Diese "Kostproben" sollen den Betrachter helfen, sich auf das Szenario einzulassen und die eigene Fantasie anregen.

01 → Gedankenvisite bei Philian
Dauer: 8,44 Min.

"Die Türme da oben", Philian deutete auf eine Ansammlung von Türmchen, "sind Wissensspeicher. Konserviertes Wissen nach Themen in Etage geordnet."

02 → Manilo in Philians Emodiathek
Dauer: 6,22 Min.

"Werden neue Gefühle in die Emodiathek aufgenommen, übernehmen die Emotionsgeister den Transport und kümmern sich um die Abwehr von Traumata."

03 → Emna und die Emotikation der Spührbarfestspiele
Dauer: 8,10 Min.

"Lautlos zerbrach die Kugel, fing an zu strahlen und umgab Emna mit einer ganz sonderbaren Aura. … Die Kindheit und die Neugierde, von welcher der Erzähler gesprochen hatte, war plötzlich spürbar."

Dialektum_00_1522_kl
Dialektum_02_1843_kl
Dialektum_04_1846_kl
Dialektum_03_1609_kl

Die Idee

Der Kurs "Next.Story" widmete sich der Kunst des Storytellings und der Welt von Morgen - ein Blick in eine potentielle Zukunft. Egal ob es sich um das nächstes Jahr oder Jahrtausend handelt, real oder absolute Fiktion ist. Wir haben uns im Laufe des Kurses gefragt, wie würde es sein, wenn der Mensch sich irgendwann endlich mal wieder auf sich selbst konzentriert und nicht ständig nach technischen "Lösungen" sucht, welche scheinbar alles einfacher und noch effizienter machten. Stillstand soll nicht länger als Rückschritt gedeutet werden.

Das menschliche Gehirn beispielsweise ist der leistungsstärkste „Rechner“, welcher den Menschen in den letzten Jahrtausenden zum absolut dominierenden Tier auf diesem Planeten gemacht hat. Allerdings wissen wir heute wie tief der tiefste Punkt der Erde ist, dass eine Minute auf der Erde nicht gleich einer Minute auf dem Saturn ist und können mittels künstlicher Intelligenz und dem Bild eines Gesichts eine Wahrscheinlichkeit errechnen, ob diese Person homo- oder heterosexuelle ist. So what? Neben diesem nützen Wissen gibt es unzählige weitere Beispiele an Forschungen und Studien, bei welchen man den Kopf nur enttäuscht schütteln kann und sich fragt, warum?

Bei all diesem Wissen ist es kaum zu glauben, wie wenig man doch über das menschliche Gehirn weiß! Es kursiert der berühmte Zehn-Prozent-Mythos, welcher besagt: Mensch wie Albert EInstein würden lediglich 10 % ihrer Hinkapazität nutzen. Heute wissen wir, dass dieser Mythos völliger Humbug ist, aber was wäre wenn nicht?


Das Ergebnis

Davon ausgehend, dass sich die Welt in eine immer stärkere und digital abhängige Welt bewegt, in welcher technologischer Fortschritt als absoluter Problemlöser angesehen wird, spielten wir mit der Idee einer Rückbesinnung. Der Mensch erkennt seine technische Abhängigkeit, löst sich davon und erlangt durch seine eigenen "biologische" Fähigkeiten seine Freiheit mehr denn je zurück. Der Mensch als Wesen rückt somit stärker in den Mittelpunkt.

 

# 1 — STIMULENT

Die Aktivitäten des menschlichen Gehirns lassen sich bestimmten Wellenmustern zuordnen. So sendet ein entspanntes Gehirn lange Wellen aus (Alpha-Wellen), ein hoch konzentriertes wiederum sehr kurze (Gamma-Wellen). Mit Hilfe eines Stimulenten können diese Wellen erfasst werden, wodurch das Aktivitätspotential des menschlichen Gehirns beeinflusst werden kann. Das Gehirn kann effektiver genutzt werden: auf Kommando absolut relaxen, tief schlafen oder höchst anspruchsvolle Aufgaben bewältigen. 

 

# 2 — GEDANKENPALAST

(siehe auch → Höhrbuch 01)

Ein Gedankenpalast ist ein individuelles Konstrukt, mit welchem man Gedanken und Erinnerungen visualisiert. Diese können auf verschiedene Arten wie Gebäuden, ganzen Städten, unendlichen Wegen und anderen Strukturen palastisiert werden. Es können reale wie surreale Objekte und Formen entstehen. Die Gesetze der Natur spielen dabei keine Rolle. Die einzige Grenze ist die, der eigenen Phantasie. Es entsteht ein allgegenwärtiger Speicher von Gedanken, auf welchen man zu jedem Zeitpunkt zugreifen kann. Für einen Außenstehenden kann es sehr verwirrend erscheinen, für den Konstrukteur aber gibt es klare Strukturen. Der Vorgang der Visualisierung von Gedanken in einem Gedankenpalast wird auch als Palastisierung bezeichnet.

2.1 Gedächnisphasen
Es gibt drei Phasen, die eine Erinnerung durchlaufen muss, um sich im Gedankenpalast festigen zu können:

Phase I — Die erste Phase bezieht sich auf das Kurzzeitgedächtnis, das Bewusstsein einer Person. Alles, was man wahrnimmt, wird für kurze Zeit in unserem Gehirn festgehalten. Danach wird es an das Langzeitgedächtnis weitergeleitet. Alles, was wir wahrnehmen, ist also nur für eine kurze Zeitspanne bewusst in unserem Kurzzeitgedächtnis verfügbar. Anstatt diese Informationen zu löschen, werden sie über weitere Phasen im Gedankenpalast gespeichert.

Phase II
 — Die Palastisierung spielt sich in der zweiten Phase, der Konsolidierung, ab. Hier werden Gedanken aus dem Kurzeitgedächtnis palastisiert. Das heißt, sie werden in feste Objekte umgewandelt und im Gedankenpalast abgelegt. Ebenfalls werden in dieser Phase Emotionen in die Emodiathek aufgenommen und dort gespeichert. Dieser Vorgang findet bei jedem automatisch statt.

Phase III
 — Die dritte Phase hängt mit dem Langzeitgedächtnis zusammen. Die Gedanken befinden sich als palastisierte Objekte im Gedankenpalast und werden nun fest verankert. Erinnerungen, Emotionen und Gedanken können jetzt je nach Belieben wieder ins Bewusststein geholt werden.

2.2 Gedankenvisualisierung
Wie pala isiert man Gedanken und ordnet diese so an, dass sie  äter wieder gefunden werden? Im Bildungssy em i Gedankenvisualisierung ein fe er Be andteil. Dort wird neben der Methode der Pala isierung auch der Umgang mit der Emotika-tion und worauf man bei einer Pala visite achten muss erlernt.

2.3 Palastvisite
Gedankenpaläste können komplett oder eingeschränkt einer zweiten Person gezeigt werden. Besucher können also eine Führung durch andere Gedankenpaläste bekommen. Diese müssen willentlich dem vorgegebenen Weg des Eigentümers folgen. Der Eigentümer kann absolut darüber entscheiden, was für den Besucher möglich ist und was nicht. Machtlos ist der Eigentümer nur bezüglich der Interpretationen des Besuchers. 

2.4 OVAG Cerebralerbe

OVAG steht für „Organisation zur Visualisierung und Archivierung von Gedankengut“. Leitidee der OVAG ist es, besondere Gedankenpaläste nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Das cerebrale Erbe soll aufbewahrt und für die Nachwelt zugänglich gemacht werden. 
Neben der Archivierung hat sich die OVAG die Visualisierung von besonderen Gedankenpalästen zur Aufabe gemacht. Sie baut Paläste von berühmten Persönlichkeiten als Museen nach oder macht  außergewöhnliche Visualisierungen öffentlich zugänglich. Originelle Gedankenpaläste können augezeichnet werden und geraten somit nicht in Vergessenheit.

 

# 3 — RELAXARIS

Viel Arbeit mit dem Gehirn ist anstrengend. Relaxaris sind Entspannungszonen, welche speziell für kurzzeitige Entspannungsphasen eingerichtet wurden. Die Größe eines Relaxaris kann zwischen Personenkammern, großen Einrichtungen in öffentlichen Bereichen, wie Parkanlagen variieren. In einer Relaxaris kann mit Hilfe eines Stimulenten das Hirnpotential gesteuert werden. Das Gehirn wird dabei auf „Knopfdruck“ in einen Theta-Zustand versetzt. Durch diesen Zustand erreicht der Mensch eine tiefe Entspannungsphase, manchmal sogar einen leichten Schlaf. Umgangssprachlich gesagt, tankt das Gehirn Energie für neue Geniestreiche.

 

# 4 — NEUROCITAS

Ein Neurocitas beschreibt die Möglichkeit vom Austausch zwischen zwei oder mehreren neuronalen Einheiten. Ähnlich wie beim früheren WLAN, entsteht eine für Augen unsichtbare Verbindung, sobald Gedanken und Emotionen ausgetauscht werden.

4.1 Neurunda

Eine Neurunda basiert auf einer Neurocitas. Sie entsteht, wenn sich zwei oder mehrere Einheiten einem Austausch unterziehen. Das Gesamtbild zwischen Sender, Empfänger und Verbindung (Neurocitas) bildet eine Neurunda. Im weitesten Sinne kann man hier Parallelen zum damaligen Internet finden.

4.2 Notfallsystem
Notsignale können über Neurunda an Basisstationen geleitet werden. Motorische Fähigkeiten müssen dafür nicht mehr funktionstüchtig sein. Bildhafte Eindrücke vom Ort des Geschehens werden versendet. Somit können Rettungskräfte die Situation besser einschätzen und gezielt handeln.

 

# 5 — EMOTIKATION

(siehe auch → Höhrbuch 03)

Die gängigen Kommunikationswege werden durch die Möglichkeit erweitert, Emotionen direkt weiter zu geben. Es ist nicht mehr von Nöten, diese in Worte zu fassen. Das führt zu einer intensiveren Kommunikation und vermittelt genau das, was vermittelt werden soll. Ohne unnötige Zwischenebenen der wörtlichen Kommunikation und einer möglichen Fehlinterpretation des Empfängers, können Gefühle ausgetauscht werden. Die Übertragung von Emotionen ist auf zwei Weisen möglich:
• Im Jetzt-Zustand können Emotionen mit dem Gegenüber geteilt werden. Dies funktioniert nur mit Gefühlen, welche im Augenblick empfunden werden. Für einen kurzen Moment verspürt eine externe Person genau das, was man selbst im gegenwärtigen Zeitpunkt fühlt.
• Für Emotionen aus der Vergangenheit kann man auf die Emodiathek zugreifen, welche alle erlebten Emotionen aufbewahrt. Diese können dann ebenfalls für einen kurzen Augenblick an eine externe Person übertragen werden.

5.1 Emodiathek (Höhrbuch → 02)

Eine Emodiathek ist eine Sammlung aus bereits gefühlten Emotionen. Diese werden in einer Art Bibliothek abgelegt. Emotionen können zu einem späteren Zeitpunkt wieder abgerufen sowie geteilt werden. Um sicherzustellen, dass man Emotionen nicht unterschiedlich wahr nimmt, werden diese in Form und Format gleich palastisiert. Eine Emodiathek ist ein fest verankertes Element im Gedankenpalast, das jeder besitzt.

5.2 Unterhaltung

Durch die Emotikation und den phantasievollen Gedankenpalästen erschließen sich neue Kunst- und Unterhaltungsgenres.

5.2.1 Emotionales Erleben — 
Die Emotikation bietet die Möglichkeit, gesellschaftiche Events auf eine neue Ebene zu setzen. Dank der Übertragung von Emotionen werden Performances für den Zuschauer viel intensiver und realer. Akteure können Gefühle direkt an das Publikum übertragen, welches dadurch hautnah die Inszenierung miterleben kann.
Neben Live-Performances erweitert die Emotikation außerdem andere Unterhaltungsebenen. Filmähnliche Vorführungen werden mit übertragbaren Emotionen so ausgebaut, dass man die Geschichte mit allen Sinnen erlebt.

5.2.2 Abstrakte Nachbauten — Weil die Strukturen der Gedankenpaläste immer komplexer werden, hat man begonnen, besondere Paläste in der Wirklichkeit nachzubilden. Neben der OVAG (Organisation zur Visualisierung und Archivierung von Gedankengut) gibt es noch zahlreiche andere Unternehmen, welche sich der Visualisierung von Gedankenpalästen widmen. Zum Teil werden ganze Paläste in Form von begehbaren Museen nachgebaut, teilweise nehmen sich die Gestalter auch nur einzelne Bereiche oder gar Objekte heraus und versuchen, diese zu realisieren. Sonderbare Installationen und abstrakte Kunstobjekte basierend auf Gedankenpalästen bilden einen neuen Bereich in der Kunstwelt.

5.3 Palasttherapie

Bei der Palastisierung oder Emotikation kann es zu Problemen kommen. Hierfür gibt es verschiedene Anwendungsformen zur Bewältigung von Traumata. Ein Palastener ist ein Medicus, der sich auf Palasttherapie spezialisiert hat. Dieser kann, durch den gezielten Einsatz von positiven Emotionen, Betroffenen neue Energie geben, um die negativen Vorgänge wieder unter Kontrolle zu bringen.

5.3.1 Depression — 
Palastisierte Objekte, welche mit negativen Assoziationen verknüpft sind, können in ihrer Größe variieren. Oft kommt es zu einer Ausdehnung, welche nur schwer kontrolliert werden kann. Bekommt man diese negativen Objekte nicht unter Kontrolle, entsteht eine Depression. Diese Depression nimmt dann immer mehr Raum ein und drängt andere Erinnerungen in den Hintergrund. Mit verschiedenen Therapieformen kann man dagegen ankämpfen und die Depression kontrollieren.

5.3.2 Palasttrauma — 
Finden in einem kurzen Zeitraum zu viele Dinge gleichzeitig statt, kann das Bewusstsein diese nicht auseinander halten. Bei der Palastisierung kann es dann zu Problemen kommen. Es entsteht ein Gebilde, welches versucht, die verschiedenen Ereignisse zu vereinen. Dieses Gebilde bezeichnet man als Trauma. Hier kann durch Hilfe von Außenstehenden, den sogenannten Palastenern, wieder Ordnung geschaffen werden. Das Trauma wird in seine Einzelteile zerlegt und kann so in kleinen Teilen verarbeitet und palastisiert werden.

 

# 6 — LASI

Ein lokales Areal mit spezifischem Inhalt, kurz LASI genannt, ist ein System, in dem man auf neuronale Leistungen zugreifen kann. Ein externer Speicher von Eindrücken, Gedanken und Erinnerungen, den mehrere Personen nutzen können. Während manche von externen Gedanken profitieren, ist es ebenso möglich, eigene Gedanken und Erinnerungen dort abzulegen. Erinnert an die Cloud des 21. Jahrhunderts. 

6.1 LASI-NOVUM

Nachrichtenzone – Was passiert gerade auf der Welt? In einem LASI-Novum hat man Zugriff auf aktuelle Informationen zum Zeitgeschehen. Diese Nachrichtenzonen sind an öffentlichen Plätzen eingerichtet und für jeden zugänglich.

6.2 LASI-VARIUS

Kreativzone – Ein LASI-Varius ist ein kreativer Inspirator. Eine Sammlung von Ideen, Entwürfen und wilden Gedankengängen, welche Anregungen und Impulse für kreative Köpfe geben soll.  Man kann von Gedanken und Eindrücken anderer profitieren und sich einem kreativen Austausch unterziehen. Zudem lebt ein LASI-Novum nur von ständig neuem Input, welcher von jederman dort abgelegt werden kann. Derartige Zonen sind besonders in Kreativen Bereichen zu finden.

6.3 LASI-MED

Gesundheitszone – Um physische wie auch psychische Erkrankungen heilen zu können, ist es oft nützlich, die Vorgeschichte zu kennen. So kann man in einem LASI-Med seine persönliche Krankengeschichte ablegen, welche ein Medicus zur Analyse einsehen kann. Es entsteht eine Art „Krankenakte“ der Patienten. Außerdem bildet sich ein Pool aus Erfahrungen, auf welchen der Medicus bei Bedarf zugreifen kann.

Footer_Line_1
Back to top Arrow